Green Building – Nachhaltigkeit und
die Chancen für das Handwerk
Die Immobilienwirtschaft hat die Nachhaltigkeit von Gebäuden und die Umweltverträglichkeit des Bauens schon in die Bewertung von Gebäuden integriert.
Das hängt zum einen mit den globalen Herausforderungen der Ressourcenverknappung, der Finanzkrise und dem Klimawandel zusammen, zum anderen aber auch mit dem schwierigeren Marktumfeld. Der Wettbewerb um Investoren und Mieter ist härter geworden, die Höhe der Betriebskosten und die Frage nach der Werthaltigkeit eines Gebäudes rücken stärker in den Blickpunkt.
Nachhaltiges und Ressourcen sparendes Planen, Bauen und Betreiben einer Immobilie bedeutet, den ökologischen, sozialen und kulturellen Anforderungen gerecht zu werden. Dabei wird das ressourcenschonende Bauen und der Einsatz von schadstofffreien Materialien, als Grundlage eines ökologischen und umweltgerechten Gebäudes, immer wichtiger für die Gesundheit der zukünftigen Nutzer und Mieter von Gebäuden.
Die Qualität der Raumluft, die Hygiene der Innenraumluft, ist ein Ergebnis eines Bauprozesses, der von der Planung über die Verarbeitung bis zur Fertigstellung des gesamten Gebäudes, für die ökologische Qualität des Bauwerks verantwortlich ist.
Der Zertifizierung von Gebäuden kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.
Das von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) eingeführte Gütesiegel erlaubt die umfassende Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden auf wissenschaftlicher Basis und kann weltweit für die unterschiedlichsten Bauwerkstypen eingesetzt werden. Das Gütezeichen bewertet in 6 Themenfeldern die Aspekte der Nachhaltigkeit und Leistungsfähigkeit der Immobilie.

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) hat das Zertifizierungssystem der DGNB, im Nutzungsprofil ‚Neubau Büro und Verwaltungsgebäude‘, als „geeignetes Bewertungssystem für das nachhaltige Bauen“ anerkannt und für die Planungs- und Baupraxis empfohlen.
Als Auditor hat Gerhard Hoffmann bereits zahlreiche Gebäude, mit einer Bruttogeschossfläche von 4.500 bis 65.000 m² nach dem DGNB-Standard auditiert die mit dem Gütesiegel in GOLD und Silber ausgezeichnet wurden. Hierbei hat sich gezeigt, dass insbesondere die ökologische Qualität der Gebäude durch die eingesetzten Baumaterialien stark beeinflußt wird.
In der Planungsphase kann durch die Auswahl geruchs- und emissionsarmer Bauprodukte die Grundlage für Innenräume mit niedrigen Immissionskonzentrationen an flüchtigen und geruchsaktiven Stoffen geschaffen werden. Es ist zu erkennen, dass es in der täglichen Baupraxis bei neuen oder sanierten Gebäuden von der Ausführungsqualität und Sorgfalt der Ausbaugewerke, z.B. Trockenbau, Maler, Parkettverleger, abhängig ist, wie unbelastet die Raumluft ist. Im Rahmen der Zertifizierung werden nicht nur die eingesetzten Materialien vor und während der Verarbeitung bewertet sondern auch nach Fertigstellung des Gebäudes wird die Raumluft in ausgewählten Räumen auf die Schadstoffe wie Formaldehyd und die flüchtigen organischen Stoffe (VOC) vermessen. Dies alles dient der Innenraumhygiene und Gesundheitsvorsorge der zukünftigen Raumnutzer.
Kurz und gut kann gesagt werden, dass die nachhaltige Qualität eines Gebäudes sich heute dadurch auszeichnet, das keine Gerüche durch belastende Stoffe beim Einzug in die neuen Räume riechbar bzw. olfaktorisch wahrnehmbar sind.
Schon jetzt ist erkennbar, dass die Qualitätssicherung durch eine Zertifizierung stärker nachgefragt wird und sich Gebäude mit Zertifikat im Gegensatz zu Gebäuden ohne Zertifizierung besser vermarkten lassen. Das Handwerk kann einen erheblichen Teil zu dieser Entwicklung und Wertsteigerung von Immobilien beitragen. Nur der gut ausgebildete Handwerker kann die Vorgaben der Planung durch konsequente Verarbeitung von geruchs- und emissionsarmen Bauprodukten umsetzen.
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB)

Autor:
Gerhard Hoffmann, Dipl.-Ing./Dipl.-Wirt.Ing.
ifes - Institut für angewandte Energiesimulation und Facility Management GmbH,
Auditor der DGNB

Gerhard Hoffmann, Dipl.-Ing./Dipl.-Wirt.Ing. Geschäftsführer der ifes - Institut für angewandte Energiesimulation und Facility Management GmbH, Frechen, berät seit 20 Jahren Architekten, Planer, Bauherren und Investoren bei der Realisierung nachhaltiger Energie- und Klimakonzepte. Durch den Einsatz von Simulationsprogrammen und der ganzheitlichen Methode der Zertifizierung wird in der frühen Planungsphase die Qualitätssicherung der Objekte unterschiedlicher Nutzung möglich. Von 2000-2008 war Herr Hoffmann an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Architektur als Lehrbeauftragter zum Thema Energie- und Klimakonzepte tätig. Als von der DGNB zugelassener Auditor hat er, aufgrund seiner langjährigen Erfahrung, an der Entwicklung und Validierung der Zertifizierungskriterien mitgewirkt und seit 2008 mehrere Projekte mit dem Gütesiegel GOLD auditiert. Zertifizierungen nach LEED-Standard werden auch von Herrn Hoffmann durchgeführt.