Emissionsfreie Innenraumfarben

Im Zuge der ChemVOCFarbV sind 2010 die Lösemittel in Farben und Lacken weiter reduziert worden. Danach können auch aus lösemittelfreien Produkten noch Emissionen austreten - es gibt also unterschiedliche Qualitäten. Produkte, die ein Umweltzeichen wie zum Beispiel den „Blauen Engel“ tragen, sind nach einem Schema des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) bewertet, was die Ausgasung flüchtiger organischer Verbindungen betrifft, aber auch was die sonstigen Inhaltsstoffe angeht.

Vergabegrundlage für den „Blauen Engel“ bei Dispersionsfarben ist das RAL-UZ 102 (emissionsarme Wandfarben). Hier wird zum Beispiel garantiert, dass der Weichmacheranteil unter einem Prozent liegt, dass Konservierungsstoffe auf ein Minimum begrenzt werden und dass ein besonders geringer Anteil an Lösemitteln und Formaldehyd enthalten ist.

Hersteller solcher Produkte sind auf der Internetseite des „Blauen Engels“ (www.blauer-engel.de) gelistet. Das Stichwort, auf das man als Verbraucher achten sollte, ist emissionsarm oder emissionsfrei. Einige Hersteller von „Profi“-Produkten setzen sich individuell noch höhere Anforderungen. Hier sollte man sich vom Fachmann beraten lassen. Wenn also auf die technischen Vorteile von Dispersionsfarben gegenüber rein mineralischen Farben (z. B. Kalkfarben) nicht verzichtet werden soll, empfiehlt es sich, Produkte zu verwenden, die als emissions- und lösemittelfrei gekennzeichnet sind.

Dies ist auch vor dem Hintergrund des so genannten Fogging-Phänomens interessant, das derzeit (im Zusammenhang mit der Einführung der Stufe 2 der Decopaint-Richtlinie) wieder verstärkt zu beobachten ist. Fogging äußert sich in einer plötzlichen Schwarzverfärbung von Innenräumen an charakteristischen Stellen, wie Wärmebrücken über Heizungen in der Heizperiode, meist nachdem eine Renovierung stattgefunden hatte.
Wände, Decken und Einrichtungsgegenstände betroffener Wohnungen sind mit einem rußähnlichen Schmierfilm überzogen.

Der Fogging-Effekt ist nach wie vor nicht abschließend geklärt. Lüftungsverhalten und Luftdichtheit, Weichmacher oder schwerflüchtige organische Verbindungen im Zusammenspiel mit normalem Hausstaub bzw. bestimmten Staubfraktionen (abhängig von der Partikelgröße) werden als mögliche Ursachen diskutiert.
Auch wenn das zuvor beschriebene Phänomen eher eine Ausnahmeerscheinung darstellt und gesundheitliche Gefährdungen in der Regel auszuschließen sind, empfiehlt es sich dennoch, unter wohnhygienischen Aspekten, emissionsarmen und weichmacherfreien Farben den Vorzug zu geben.

Das Umweltbundesamt hat zu diesem Thema eine Broschüre herausgebracht, die auf den Seiten des UBA abgerufen werden kann. Der Erkenntnisstand der Broschüre ist auch 2010 noch aktuell: www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2276.pdf

Autor:
Dr. Oliver Nicolai
Technische Betriebsberatungsstelle
Maler- und Lackiererinnungsverband Nordrhein

www.maler-lackierer-nrw.de

Der Maler- und Lackiererinnungsverband Nordrhein ist Mitglied der Kompetenzgemeinschaft BoWaDe, die sich auf dem 3. Deutschen Forum innenraumhygiene mit einem Stand präsentieren wird.

ChemVOCFarbV
Chemikalienrechtliche Verordnung zur Begrenzung der Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) durch Beschränkung des Inverkehrbringens lösemittelhaltiger Farben und Lacke

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 Ausgabe August 2010  -  www.innenraumhygiene.com